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1.3.3 Partys

Im folgenden soll es um semikommerzielle SM-Partys gehen. Darüberhinaus gibt es Fetischparties, auf denen die Leute schicker gekleidet sind, dafür aber leicht irritiert gucken, wenn man die Peitsche auspackt und private Parties, zu denen man von Freunden aus der Szene eingeladen wird. Aber unter Freunden wird man sich leicht auf einen Umgang miteinander einigen, so dass ich darauf nicht weiter eingehen will.

Es gibt Parties, die regelmäßig (z.B. jeden 1. Sonnabend im Monat) stattfinden und andere, die selten und an besonderen Orten stattfinden. Von solchen Parties erfährt man auf Stammtischen - kombiniert mit persönlichen Empfehlungen - oder im SM-Finder.de oder ähnlichen Veranstaltungslisten.

Die Atmosphäre auf solchen Parties unterscheidet sich geringfügig; es lohnt sich, verschiedene anzuschauen. Meist gibt es am Eingang eine Umkleidekabine, falls man seinen schicken Anblick den eigenen Nachbarn nicht gönnt. Dann gibt es typischerweise einen Barbereich mit Sitzgelegenheiten, in dem man sich vorwiegend unterhält, eher selten tanzt, und einen Spielbereich mit gedämpfter Musik und Licht, um eine ansprechende Atmosphäre zum Spielen zu schaffen. Hier finden sich auch diverse Spielgeräte, Gynstuhl, Fesselbank, Sling und viele Befestigungsmöglichkeiten. Es sollten Desinfektionsmittel und Papiertücher bereitstehen, um die Geräte vor und auf jeden Fall nach dem Spiel zu reinigen! Auch wenn auf solchen Feten reiner Geschlechtsverkehr eher selten zu beobachten ist, sollte es an der Theke Kondome geben.

Spielen kann man in abtrennbaren Darkrooms, die entgegen ihrem Namen nicht allzu dunkel sein sollten und zu denen andere Gäste keinen oder individuell regelbaren Zugang haben, oder auch ganz öffentlich vor Zuschauern. Hierbei ist es wichtig, dass die Anwesenden das Spiel nicht stören, sich nach Möglichkeit nicht unterhalten und ausreichend Abstand wahren, damit der Top mit der Peitsche ausholen kann.

Wer unaufgefordert in geschlossene Separées guckt, unaufgefordert andere begrabbelt, die Finger nicht von fremdem Spielgerät lassen kann oder Spielende bedrängt, der wird sich bei solchen Veranstaltungen sehr plötzlich auf der Straße wiederfinden. Es gilt ein striktes Fotografierverbot und auch wenn hier alle ganz freizügig gekleidet rumlaufen, wird allzulanges Anstarren und Nachsabbern Unmut erwecken. Die Halsbänder fremder Subs sind tabu - du greifst einem wildfremden Menschen auf der Straße ja auch nicht zwischen die Beine (s.A. 3.4.1). Mit einem freundlichen Umgangston machst du sicher nichts falsch. Und es gibt sicher bessere Gelegenheiten, um sich zu betrinken .

Sollte ein Spiel auf einer solchen Party mal aus dem Ruder laufen, so ist 'Mayday' ein allgemein akzeptiertes Safeword (s.A. 1.5.2). Sollte der Top in diesem Fall nicht sofort abbrechen, wird sich einer der Umstehenden einmischen. Von diesem Fall abgesehen, sollte man es den Spielenden überlassen, was sie sich zutrauen und davon ausgehen, dass sie sich zuvor abgesprochen und über mögliche Risiken informiert haben. Dies gilt selbst dann, wenn man für sich persönlich eine dargebotene Praktik ablehnt oder gar als 'unsafe' einschätzt. Auch direkt nach dem Spiel sollte man den Beteiligten Zeit lassen, auf den Boden der Realität zurückzufinden, und sie nicht in irgendwelche Sicherheitsdebatten verwickeln.
Hiervon unberührt ist natürlich die Verpflichtung zur Hilfeleistung, wenn erhebliche, gesundheitliche Schäden bei einem der Beteiligten abzusehen sind. (Der Bottom auf Grund von Atemnot im Gesicht blau anläuft...)

Solche Parties findet man überall in Deutschland - allerdings muss man schon mal bis zu 200 km fahren. Typische Eintrittspreise bewegen sich bei 30 Euro pro Person. Dafür sind meistens die Getränke frei und manchmal gibt es ein kleines Buffet. Vorsicht ist oftmals bei Partys geboten, die für einzelne Herren höhere Preise verlangen. Auch wenn dies dazu gedacht ist, einen Männerüberschuss in Grenzen zu halten, kann es sein, dass man sich als ein zum Spielen bereites Pärchen ein wenig wie im Zoo vorkommt... (Wer viel gezahlt hat, bringt natürlich eine gewisse Erwartungshaltung mit und will was erleben.)

Eine leidige Diskussion im Zusammenhang mit solchen Partys ist der Dresscode. Bei vielen Partys verlangt der Veranstalter erotische Kleidung aus Lack, Leder, Latex, schicke Abendgaderobe oder einfach nacktes Erscheinen. Manchmal reicht auch einfach schwarze Kleidung. Dies soll für eine ansprechende Atmosphäre sorgen und manchmal wird angeführt, dies halte Spanner fern. Meine Erfahrung ist, dass es im Wesentlichen auf interessante Kleidung und weniger auf das Material ankommt. Leuten, die zum ersten Mal auf eine solche Fete gehen, rate ich immer zu gucken, was sie an schwarzen Sachen im Kleiderschrank haben, in denen sie sich wohl fühlen. Damit fällt man erstmal nicht dumm auf - auch wenn man sich vielleicht underdressed fühlt - und kann sich dann, wenn es einem gefallen hat und man häufiger solche Partys besuchen möchte, adäquat einkleiden.
Gegner dieses Dresscodes führen an, dass sie SMler und keine Fetischisten seien, sich nicht in Unkosten stürzen wollten und sich in derartiger Kleidung auch gar nicht wohlfühlten. Hierzu möchte ich feststellen, dass es in unserer Gesellschaft viele Anlässe gibt, zu denen man sich passend kleidet. Ferner hat der Veranstalter der Party natürlich das Hausrecht; wenn er eine Party mit entsprechend gekleideten Leuten machen will, wird er nur solche reinlassen. Wem dies nicht passt, dem steht es frei, von dieser Veranstaltung fernzubleiben und gegebenenfalls eine eigene Fete mit eigenen Regeln zu organisieren.


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