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1.4 Wie finde ich einen Partner?

Auf den ersten Blick treiben sich mehr Männer als Frauen in der SM-Szene rum. Dies mag man als rein statistisches Problem abtun, nach dem Motto: ``Da muss Mann sich nur entsprechend oft bewerben, dann klappt es schon.'' Dementsprechend sind dann auch die Bewerbungen und so wundert es wenig, dass auch Frauen klagen, keinen passenden Partner zu finden. Letztendlich ist die Zielgruppe für uns BDSMler natürlich deutlich eingeschränkt. Wo also suchen?

Im täglichen Leben
Auch Sadomasochisten essen Brötchen und so kann es sein, dass man ihnen morgens im Supermarkt begegnet. Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und manchmal helfen kleine Erkennungszeichen (s.A. 1.4.1). So kann es passieren, dass die Verkäuferin bei Obi dich beim Unterschreiben des EC-Kartenbeleges plötzlich sehr freundlich anlächelt...

Auch in der seit einigen Jahren regen Gothic-Szene gibt es nicht nur eine Affinität zu Fetischkleidung -- die Hemmschwelle in Bezug auf SM ist oftmals auch eher gering.

Es kommt auch gar nicht so selten vor, dass man einen Menschen auf ganz normalem Wege kennenlernt und dann beim Experimentieren im Bett auf gemeinsame Neigungen stößt. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man zuerst die gegenseitige Zuneigung spürt und dann feststellt, auch im Bett zueinander zu passen.

Ok, einen waschechten Masochisten findet man so nicht, also was tun?

Kontaktanzeigen
Da bieten sich zunächst Kontaktanzeigen im lokalen Kleinanzeigenmagazin oder einem Szeneblatt wie den Schlagzeilen [9] an. Ersteres bietet den Vorteil, dass der Bewerber aus der Umgebung kommt, während zweiteres den Suchradius deutlich größer steckt und der Bewerber Ahnung davon haben sollte, worauf er sich einlässt...
Oftmals lesen sich diese Anzeigen aber wie die Permutation eines kleinen, einschlägigen Wortschatzes. Da werden Wünsche/Fantasien geäußert, Menschen stellen sich als perfekter (erfahrener) Meister oder Sklave dar und es finden sich oft Anspielungen auf die 'Geschichte der O'.
Gerade, wenn sich jemand als 'wahrer' Sklave oder Meister vorstellt, sollte man ihm seine Idealvorstellung gönnen, aber bedenken, dass jeder Mensch reale und ernstzunehmende Grenzen hat (s.A. 1.5.1).
Leider kommt dabei das Menschliche oft viel zu kurz. Insbesondere, wenn mir die Zuneigung zum Partner wichtig ist und ich vielleicht sogar von einer Beziehung träume, kann ich mit diesen Abziehbildern nichts anfangen.
Äußert der Bewerber nur konkrete Wünsche, kann es vorkommen, dass sich die Umworbene als reine Wunscherfüllungsgehilfin sieht und der Brief direkt in die Ablage P wandert. Insbesondere Massenantworten nach der eingangs erwähnten statistischen Vorgehensweise erregen oftmals Unmut. Da wird sich auf alles erstmal beworben, ohne auf die Details der Suchanzeige einzugehen. Es kommen Antworten vom anderen Ende der Welt, obwohl räumliche Nähe Bedingung war und die Sadistin erhält ein detailiertes Angebot, sich erziehen zu lassen.
So kommt es, dass sich die einen über ausbleibende und die anderen über zuviele Zuschriften beklagen, die direkt als unbrauchbar in den Müll wandern.
Erfolg scheint man mit Kontaktanzeigen nur zu haben, wenn man die Sache mit Geduld und Sorgfalt betreibt, bereit ist, persönliches von sich preiszugeben, auf den anderen Menschen eingeht und ihn mit Respekt behandelt.

Szene
Eine andere Möglichkeit ist, sich gezielt dort zu bewegen, wo sich Sadomasochisten aufhalten. Man trifft sie in entsprechenden Chats, bei Partys oder Stammtischen.
Hierbei gilt aber prinzipiell: Plumpe Baggerei ist strikt unerwünscht und kann zum Ausschluss führen. Stammtische weisen meistens explizit darauf hin, dass es sich bei ihnen um keine Kontaktvermittlung handelt. Und natürlich sind hier Kommunikationsschwierigkeiten und Pickel im Gesicht genauso ein Hindernis, wie im übrigen Leben.
Trotzdem sind schon viele Beziehungen aus Chats oder Stammtischen entstanden. Wenn man dort ohne den Vorsatz zu suchen hingeht, sich ganz normal gibt und locker mit den anderen unterhält, kann es passieren, dass man einfach gefunden wird.

Kann ich meinen langjährigen Partner vielleicht davon begeistern?
Bei sexuell aufgeschlossenen Partnern ist es ein leichtes, mal was Richtung SM auszuprobieren - und manchmal mag es helfen, nicht gleich zu erwähnen, dass das SM ist, was man gerade macht. Fesseln, Augenverbinden in Kombination mit taktilen Reizen zählt heute schon fast zum Vanillasex. Vielleicht entdeckt ihr dabei gemeinsam, dass euch sowas Spaß macht!
Wenn es gleich das Spiel mit Schmerz oder Unterwerfung sein soll, ist viel Geduld angebracht. Gib deinem Partner Zeit, darüber nachzudenken, sei zum Gespräch bereit, aber dränge ihn nicht. Vielleicht ist es eine gute Idee, z.B. 'Die Wahl der Qual' [19] als Bettlektüre liegen zu lassen. Oder geht zum lokalen Stammtisch und guckt euch reale SMler an, um Vorurteile auszuräumen.

Aber letztendlich muss man realisieren, dass BDSM nicht jedermanns (-fraus) Sache ist! In dem Fall muss man sich überlegen, wie man damit umgehen möchte:

Am besten ist es immer, gleich zu Beginn einer neuen Beziehung die Karten offen auf den Tisch zu legen.



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