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4.6.1 Dehnbare Angelegenheit

Die unteren Körperöffnungen sind erstaunlich dehnbar. (Durch die Vagina muss ein Kinderkopf passen und auch in den After passen mit viel Training 2 Fäuste.)
Ganz wichtig bei derartigen Spielen ist Zeit, sich zu entspannen, Geduld und Vertrauen in den Partner. Eine ruhige Atmung ist wesentliche Voraussetzung, um sich und seinen Schließmuskel zu entspannen. Es kommt nicht darauf an, irgendwas möglichst schnell in den Partner hineinzubekommen, sondern ihm Lust zu bereiten!

Da auf jeden Fall viel Gleitmittel zum Einsatz kommen wird, das sich eventuell noch mit Körperflüssigkeiten oder Exkrementen mischt, ist es sicher eine gute Idee, sich eine entsprechende Unterlage zu suchen - entweder Handtücher oder etwas abwischbares. (Wenn der After Ziel der Begierde ist, sollte man den Bottom vorher seinen Darm auf dem Klo entleeren lassen und ihm vielleicht obendrein einen Einlauf (s.A. 4.6.2) verpassen.)

Als nächstes kommt es auf die richtige Lagerung an, damit sich der Bottom entspannen kann. Um bequem an die Vagina zu kommen, kann sich die Bottom einfach mit angezogenen Knien auf den Rücken legen; der After lässt sich besser erreichen, wenn sich der Bottom über etwas legt, so dass sein Hintern hervorsteht. Ideal sind natürlich Gerätschaften wie Gynstuhl oder Sling (s.A. 6.4), die aber nicht jeder zu Hause hat.
Nicht weniger wichtig ist die Positionierung des Tops. Er sollte bequem an die Körperöffnung kommen, ohne sich verrenken zu müssen. Es wäre doch schade, wenn er auf halbem Wege wegen Ermüdung oder Rückenschmerzen aufgeben müsste!

Um Verletzungen zu vermeiden, sollte der Top seine Fingernägel kurz schneiden und ordentlich feilen. Latexhandschuhe schützen vor Infektionen, erleichtern das anschließende Reinigen der Hände und in Kombination mit dem Gleitmittel gleiten sie besser als die bloße Haut. (Habe ich schon erwähnt, wie wichtig ausreichende Schmierung ist?) Am besten nimmt man sich einen großen Klacks und verreibt diesen wie Creme auf den Händen, dann bekommen auch die Handrücken etwas ab. Zusätzlich sollte man die Öffnung der Begierde dick einschmieren und manche Tops spritzen ihrem Sub sogar vorab Gleitmittel hinein.

Beim Fisten ist das Fernziel, eine Faust in eine der Körperöffnungen einzuführen - dies muss aber keineswegs beim ersten Versuch gelingen. Hierzu führt man zunächst vorsichtig einen (Zeige-)Finger ein (s.A. 4.6). Wenn der Top merkt, dass sich sein Bottom entspannt, kann er nach und nach weitere Finger und den Daumen an der Innenseite, keilförmig folgen lassen. Mit diesen kann er dann fickende Bewegungen ausführen. Dies kann durchaus eine halbe Stunde dauern, und der Bottom sollte jeweils signalisieren, wann er für eine weitere Steigerung bereit ist.
Falls sich der Anus des Bottoms zwischendurch verkrampft, sollte der Top in der Bewegung inne halten, sich aber nicht zurückziehen und warten, bis die Verkrampfung wieder nachgelassen hat.

Die wesentliche Hürde beim Fisten sind die Fingerknöchel. Um diese einzuführen, bedarf es der größten Dehnung. Am besten gibt der Bottom ein Signal, wenn er für diese Dehnung bereit ist. Der Top sollte dann zügig den Widerstand des Schließmuskels überwinden und keinesfalls im Moment der größten Dehnung, mit den Knöcheln im Schließmuskel, verharren. Alternativen, um diese kritische Stelle zu passieren sind, entweder den Passiven mit seiner Hand die Hand des Fistenden führen lassen, so dass die Dehnung selbstbestimmt passiert, oder der Aktive kann seine Hand quasi vibrieren, um durch Rütteln und Schütteln den Schließmuskel zu entspannen. Und aus anatomischen Gründen ist es hilfreich, wenn die Fingerspitzen zur Außenseite des Körpers (vaginal zur Bauchdecke, anal zum Rücken) zeigen.
Da die meisten Menschen innen nicht allzugroß gebaut sind und es als unangenehm empfinden, wenn die Finger irgendwo gegenstoßen, sollten sich die Finger bei diesem Einführen innen zu einer Faust schließen. Beim Fisten wird also nicht eine Faust mit Gewalt eingeführt! Dieses Eindringen kann durchaus weh tun, aber danach kann der Muskel sich wieder etwas zusammenziehen und der Schmerz sollte schnell nachlassen. Am besten wartet der Top in diesem Moment und gibt seinem Bottom Zeit, sich an dieses völlige Ausgefülltsein zu gewöhnen. (Dass hierbei Druck auch auf die Blase ausgeübt wird, was zu Harndrang führen kann, ist eigentlich naheliegend.)
Anschließend kann der Top dann seine Faust im Inneren drehen und bewegen. Manche Subs (einfach fragen!) mögen es sogar, mit der Faust gefickt zu werden, so dass diese mehrfach den Schließmuskel überwindet.
Mit viel Training passen sogar 2 Fäuste hinein. Dabei wird erst eine Hand eingeführt und anschließend die zweite. Innen umschließen dann die Finger der ersten Hand die zweite.

Wem dies zuviel Handwerk ist, der kann auch auf aufblasbare Dildos zurückgreifen. Sie haben den Vorteil, dass sie sich der Körperform anpassen, und der Top muss sich weniger verrenken. Die Dehnung lässt sich durch Aufpumpen langsam steigern. Am besten gibt der Top seinem Bottom nach jeder Inflation Zeit, sich an den neuen Grad der Dehnung zu gewöhnen und kann mit dem Dildo ein wenig spielen, ihn vor- und zurückbewegen.

Außer dem Reiz der Dehnung kann man den Bottom natürlich noch an Klitoris bzw. Penis stimulieren, lecken oder ihn streicheln.

Wichtig bei starken Dehnungen ist es, mit Geduld vorzugehen und dem Muskel Zeit zu lassen, sich zu entspannen, um ihn nicht zu schädigen. Dass es bei der Dehnung zu kleinen Rissen in der Haut kommt, die ein wenig bluten, ist kein Grund zur Besorgnis. Sollten stärkere Blutungen auftreten, die vielleicht gar nicht versiegen wollen, ist unbedingt ein Arzt zu konsultieren (s.A. 4.6).


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