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4.2.2 Wie man das richtige Maß findet

Top kann sich nie darauf verlassen, welche Wirkung seine Schläge erzielen. Es sind nicht nur alle Menschen verschieden, auch kann die Tagesform eines Partners stark variieren. Außerdem sieht man neuen Schlaginstrumenten nicht immer an, wie sie wirken - der eigene Oberschenkel ist zwar ein geduldiges Studienobjekt, aber leider passt der Auftreffwinkel nie so recht.
Um einzuschätzen, was man dem Partner antut, kann man daher der Instrument kalibrieren: Man fängt mit leichten Schlägen an und steigert sich langsam und lässt den Partner die Treffer von 1 (kuschelig) bis 10 (jenseits des Erträglichen) bewerten.
Um zu ergründen, wie die Tagesform des Bottom ist, ob er Lust auf Schmerz hat, kann man ihn anweisen: "Bring mir ein Spielzeug, um dir damit wehzutun, und eines, um dir damit Lust zu bereiten!" Wenn er dann mit großen, leuchtenden Augen und der fiesen Reitgerte zurückkommt, weiss Top, dass er sich heute so richtig austoben darf.

Im DS-Kontext (s.A. 3.4.4) ist es nicht unüblich, dass der Bottom die Schläge mitzuzählen hat und sich für jeden einzeln bedanken muss. Mit einem waschechten Masochisten hingegen kann man dieses Spiel abwandeln, indem man ankündigt, ihm z.B. 50 Hiebe zu verpassen und ihn bittet, nur die Schläge zu zählen, die auch wehtun.
Das kann zu der lustigen Sitation führen, dass der Masochist realisiert, dass sich das Ende nähert, er aber noch weiter machen möchte, da es gerade so richtig toll ist und in Folge dessen das Weiterzählen verweigert. Natürlich wird der Top daraufhin die Intensität seiner Schläge immer weiter steigern, bis der Masochist nicht anders kann, als weiterzuzählen - z.B. jetzt mit halben Punkten.
Eine andere Variante, das Letzte aus dem Masochisten rauszukitzeln ohne ihn zu überfordern, ist, ihm in gebeugter Haltung einen Gegenstand (eine Kerze, die vielleicht gar nicht an, oder eine Flasche, die nicht mehr voll ist, so dass keine wirkliche Sauerei passiert) auf den Rücken zu stellen mit dem Hinweis, dass wenn dieser runterfallen sollte, das Spiel zu Ende ist. Steigert Top dann die Intensität seiner Schläge an die Grenze des Erträglichen, wird der Bottom früher oder später so stark zucken, dass das Abbruchsignal fällt, ohne dass er sich in dem Moment überlegen musste, ob nun seine Grenze erreicht ist oder nicht.

Nach einem solchen Spiel kann es eine nette Idee sein, einen Schuß Whiskey oder Cognac auf dem wunden Hintern des Bottoms zu verreiben. Das brennt erstmal und verströmt einen angenehmen Duft. Besonders sadistische Tops können ihrer Partnerin hierbei mit der mit Whiskey benetzten Hand auch noch mal zwischen die Beine greifen.

Bei Partnern, die man noch nicht so gut kennt (Fetenbekanntschaften), hat man leicht das Problem zu ergründen, ob ihm dieses oder jenes wohl Spaß macht. Ärzte umschiffen dieses Problem der 'Körperverletzung mit Einwilligung' (s.A. [*]), indem sie einfach ankündigen, was sie gleich zu tun gedenken. Widerspricht ihr Opfer dann nicht, gilt dies als Einwilligung.
Hat man es mit einem devoten Menschen zu tun, kann man ihn auch die Peitsche, mit der man ihn gleich schlagen wird, küssen lassen. So weiß er, was kommt, und kann signalisieren - z.B. durch Wegdrehen des Kopfes - dass er nicht gewillt ist, sich damit schlagen zu lassen. (Natürlich fällt er damit aus der Rolle, aber das liegt daran, dass die beiden vor dem Spiel nicht ausreichend verabredet haben, was geht und was nicht (s.A. 1.5.1). Es liegt dann am Top, sich von dem Ungehorsam nicht aus der Fassung bringen zu lassen und das Spiel in andere Bahnen zu lenken.)


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