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4.1 Das Spiel mit Schmerz

Bevor es losgeht, kann es nicht schaden, seine Spielzeuge griffbereit auszubreiten, die Kerzen außer Reichweite zu bringen und für einen bequemen Stand zu sorgen, so dass man zielsicher trifft. Es sollte für den unbekleideten Bottom warm genug sein und blendendes Licht gehört eher zu einer Verhörsituation. Entspannung ist Voraussetzung, um sich in den Rausch der Sensationen fallen zu lassen.

Nach den einführenden Bemerkungen zu Endorphinen sollte klar sein, dass man nicht gleich voll draufhauen kann. Stattdessen mag es eine gute Idee sein, den Bottom in seiner Position erstmal nur zu streicheln und zu warten, bis sich seine anfängliche Aufregung gelegt hat. Danach kann man mit einem sanften Schlaginstrument, z.B. einem weichen Flogger oder der Hand, anfangen, den Bottom 'aufzuwärmen'. Ziel hierbei ist es, die Durchblutung der Körperpartie, z.B. des Hinterns, zu steigern. Ist der Muskel gut durchblutet, kommt es später mit den härten Instrumenten, wie z.B. einem Rohrstock, zu weniger Blutergüssen und die Spuren verschwinden schneller wieder. Gleichzeitig bietet man dem Bottom dabei einen leichten Stimulus - gerade so, dass es anfängt wehzutun und die Endorphinausschüttung langsam angekurbelt wird. Wie oben erwähnt, kann diese Phase durchaus eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. Ein häufiger Anfängerfehler ist eine viel zu schnelle Steigerung der Schmerzintensität.
Auf diesem Level kann man durchaus verweilen und sollte schön den Rhythmus halten. Wenn der Bottom sich auf den Schmerz einlässt, beginnt, tiefer zu atmen und die Schläge mit einem Mal nicht mehr wehtun, ist es der richtige Zeitpunkt, die Intensität Stück für Stück zu steigern. Der Bottom darf dann ruhig stöhnen, unter den Schlägen zucken und sich winden.
Wenn der Schmerz einen Level erreicht, der gerade noch zu ertragen ist, fangen einige Bottoms an, verlegen zu lachen oder zu kichern. Dies ist ein gutes Zeichen und der Top weiß, dass er getrost diesen Schmerzlevel halten kann, solange das Lachen anhält. Das Wissen, dass der Schmerz endlich ist, nicht auf Dauer anhält, mag durchaus beim Ertragen dieser Ausnahmesituation helfen.

Bei den wirklich intensiven Stimulationen, der harten Katze oder dem Rohrstock, sollte der Top darauf achten, dem Bottom zwischen den einzelnen Schlägen genug Zeit zu geben, um den Schmerz wie eine Welle durch den Körper fluten und langsam verebben zu lassen. Dabei kann es eine gute Idee sein, seinen Schlagrhythmus an die Atmung des Bottoms anzupassen.
Die Atmung spielt sowieso eine wichtige Rolle. Durch tiefes und regelmäßiges Atmen entspannt man sich. Wenn der Bottom merkt, dass er die Kontrolle verliert, hilft es, sich auf die Atmung zu konzentrieren. Fängt er hingegen an zu hyperventilieren, muss das Spiel abgebrochen werden und der Bottom sich beruhigen.
Am entspanntesten ist man beim Ausatmen. Und wenn man empfindliche Nachbarn hat und ohne Knebel spielt, fehlt dem Bottom, wenn er ausgeatmet hat, schlicht die Luft, um laut zu stöhnen oder zu schreien.
Wenn der Top merkt, dass sich der Bottom verspannt, kann er im Spiel innehalten und dem Bottom beim Entspannen helfen, indem er wieder Körperkontakt zu ihm aufnimmt oder auch verspannte Muskelpartien bewegt oder ein wenig massiert.

Durch den Einfluß der Endorphine kann es passieren, dass der Bottom in sich versinkt, unfähig wird zu kommunizieren und auch gar nicht mehr beurteilen kann, ob ihm gerade physischer Schaden zugefügt wird.
Aus diesem Grund sollte man auch nicht unter Drogeneinfluss spielen. Der Top braucht einen klaren Kopf, um die Situation richtig einschätzen zu können, und Schmerzen sind normalerweise ein Indikator, dass dem Körper Schaden zugefügt wird. Spielt man unter Einfluss von schmerzstillenden Mitteln, kann der Bottom nicht beurteilen, ob seine physische Unversehrtheit in Gefahr ist.
An diesem Punkt liegt dann die gesamte Verantwortung für das physische Wohl des Bottoms beim Top. Er muss beurteilen, ob er an einem Punkt angekommen ist, wo das Fortfahren nicht mehr im Sinne des Bottoms ist - vielleicht seine Haut bei weiterer Einwirkung aufplatzen wird. Der Top sollte ab und zu mal genau hingucken, was er mit seinen Schlägen am Körper des Partners anrichtet.
Um die Kommunikation nicht abreißen zu lassen, sollte er sich von Zeit zu Zeit um die Gemütslage seines Bottoms vergewissern (s.A. 1.5.2). So kann er zwischendurch fragen: Ëinige Schläge scheinen Spuren zu hinterlassen. Ist das ok?", "Weißt du das Safewort noch?öder "Bist du noch da?" Reagiert der Bottom auf solche Fragen oder einen kontrollierenden Griff an seine gefesselten Hände nicht mehr, ist es Zeit, das Spiel ausklingen zu lassen und sich, nachdem der Bottom wieder im Diesseits angekommen ist (s.A. 3.2.4), anzuhören, wie er dieses Spiel erlebt und empfunden hat.

Das Ertragen von Schmerz ist durchaus anstrengend. Viele Bottoms stellen irgendwann fest, dass die Knie weich werden oder zu zittern beginnen. Die ganze Zeit frei oder gar auf High Heels stehen zu müssen, strengt zusätzlich an und kann in einer akuten Kreislaufschwäche resultieren. Hier hilft es, den Bottom aus seiner Position zu befreien (s.A. 2.1.1), ihn sich setzen zu lassen, in den Arm zu nehmen und auch ein bereitgestelltes zuckerhaltiges Softgetränk kann helfen.
Wenn diese akute Erschöpfung aber gewichen ist, fühlen sich viele Bottoms stark und kraftvoll. Einige werden stolz auf die verbliebenen Spuren sein.

Nach einen Endorphinrausch sollte man dem Bottom 1 - 2 Stunden zum Ausklingen gönnen und er sollte in dieser Zeit lieber auch kein Auto fahren.

Man kann das Toppen auch aus der Bottomperspektive lernen, wenn man sich anschließend erinnert, was sich wie anfühlt und was Spaß gemacht hat und eventuell hinterher nach Details fragt: Was war das, was so interessant wehgetan hat?


Auf Grund der momentan unsicheren Rechtslage wird es die folgenden Abschnitte wohl in absehbarer Zeit nicht oder nur mit Passwortschutz geben:
4.6.1 Cuttings
4.7 CBT
4.8 Elektrospiele
4.8 Atemkontrolle


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