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3.1 Rechte & Pflichten

Dom-Rolle
Der Dom muss die Grenzen seines Subs kennen und respektieren. (Nach Dingen zu suchen, die der Bottom nicht explizit ausgeschlossen hat, ist nicht die feine Art und führt zum Vertrauensverlust. Nur weil der Sub nicht verboten hat, sein Haupthaar zu rasieren, ist dies noch lange kein Grund anzunehmen, dass man es dürfe.)
Er ist verantwortlich für seine Gerätschaften, einschließlich deren Sicherheit und Sauberkeit. Schlaginstrumente (s.A. 4.2) dürfen keine Splitter oder scharfen Kanten haben, sie sollten sich nicht in ihre Einzelteile auflösen und alles, was in irgendwelche Körperöffnungen eingeführt werden soll (s.A. 4.6.1), muss entsprechend gereinigt sein, um das Risiko von Infektionen (s.A. 5) zu minimieren. (Entsprechendes gilt für den Sub, wenn dieser Spielzeuge beisteuert.)
Er sollte seine eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen und sollte sich gegebenenfalls Rat bei jemand erfahrenem suchen. Stell' dir vor, dein Sub kommt freudestrahlend mit einer neuen Singletail an und möchte, dass du sie ihm überziehst. Einen guten Dom zeichnet Selbstkritikfähigkeit aus. Er wird nicht etwas Neues, bei dem er sich nicht sicher ist, wie damit umzugehen ist, ausprobieren, um dann hinterher festzustellen, dass es schief gegangen und der Partner vielleicht sogar verletzt ist.
Der Dom ist ebenso für die emotionale Sicherheit seines Sub verantwortlich. Zwar geht es hier um erwachsene Menschen, die selbst für sich verantwortlich sind, aber im Spiel kann einer der Partner - insbesondere der Sub - sehr abhängig werden. Wichtig hierbei ist, den Sub in seiner Rolle zu ermutigen und zu unterstützen.
Der Dom sollte sich vorab erkundigen, ob es Handlungen, Gesten oder Phobien gibt, die emotionale Traumata auslösen oder schlechte Erinnerungen hervorrufen können. Insbesondere wenn man sich in solche Grenzbereiche begibt, sollte der Dom im Falle eines Absturzes, der auch erst Tage später eintreten kann, jederzeit erreichbar und für seinen Sub da sein (s.A. 3.2.4).
Der Dom ist dafür verantwortlich, seine Limits zu kennen und zu setzen. Sei ehrlich und mach' klar, was du willst, und was nicht. Ein solches Limit kann es sein, sich nicht tagein-tagaus um einen unselbständigen Sub, der sich abhängig macht, kümmern zu wollen. (Wer sich aufopferungsvoll um einen anderen Menschen kümmern will, setzt einen Ableger in die Welt.)

Als Dom hat man das Recht auf klare Kommunikation vor, während und nach dem Spiel. Wenn der Dom die Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen des Partners nicht kennt und sich lediglich auf seine Intuition verlassen muss, hat er es sehr schwer, das Spiel für sich und seinen Partner befriedigend zu gestalten. Falls der Bottom nur indirekte Hinweise auf seine Wünsche gibt und seine 'Bedürftigkeit' nutzt, um den Dom zu manipulieren, sollte dieser darauf bestehen, dass der Sub klar äußert, was er will.

Der Dom darf Unterstützung von seinem Partner erwarten. Nicht nur bei physischen Dingen, sondern insbesondere auch, wenn mal was im Spiel falsch läuft. Jeder Mensch macht Fehler - auch jeder Dom - und er darf davon ausgehen, dass sein Sub mit ihm eine konstruktive Lösung des Problems suchen wird und ihm keine Vorwürfe macht.
Er hat das Recht auf die Freundschaft seines Subs und darauf, sich umsorgen zu lassen, wenn ihm danach ist. Auch ein Dom darf bitten: "Nimm' mich mal in den Arm." Dadurch ist man nicht weniger Dom, sondern mehr Mensch.
Wenn der Dom irgendwelche Voraussetzungen erfüllt braucht, um in dominante Stimmung zu kommen, darf er vom Sub erwarten, dass dieser ihn hierbei unterstützt - und sei es eine Geste, Massage, der lästige Abwasch oder ein Orgasmus. Wenn etwas für dich wichtig ist, um in Stimmung zu kommen, nimm es dir. Ohne habt ihr beide keinen Spaß miteinander. Und denke daran, dass auch dein Sub keine Gedanken lesen kann, fordere von ihm, was dir zusteht.

Und der Dom hat das Recht auf Feedback. Wie in Abschnitt 1.1.2 beschrieben, ziehen die meisten Doms ihren Spaß aus den Reaktionen des Subs. Bleiben diese aus, ist es ungefähr so spannend, wie ein Sofakissen zu verhauen.

Sub-Rolle
Der Sub ist dafür verantwortlich, seine Grenzen zu kennen und sicherzustellen, dass sein Dom sie ebenfalls kennt. Er ist verantwortlich für klare Kommunikation, dafür zu erklären, was er will, sich an Abmachungen zu halten und seinen Dom dabei zu unterstützen, in die richtige Stimmung zu kommen, sich dominant zu fühlen. Lass dich auf die Situation ein, lass dich erregen und lass deinen Dom spüren, dass du erregt bist.
Für seine Hingabe darf der Sub die volle Unterstützung des Dom im Spiel erwarten - insbesondere, wenn es in Grenzbereiche gerät und zu einer echten Herausforderung wird.

Ein schlechter Bottom ist entweder nur passiv oder nur anweisend, zu bedürftig oder nur fordernd. Das Spiel lebt davon, dass der eine seine Macht für bestimmte Zeit auf den anderen überträgt. Aber dieser Austausch beruht eben auf Gegenseitigkeit, einem Wechselspiel zwischen Geben und Nehmen.
Ist der Sub ausschließlich weinerlich, abhängig, schutzbedürftig, anhänglich und will er gar die Verantwortung für sein gesamtes Leben in die Hände des Doms legen, wird dieser sich eingeengt fühlen. Ist die einzige Äußerung des Subs: Ïch möchte dir nur dienen und gefallen", liegt die gesamte Verantwortung beim Dom und an der trägt er sehr schwer.
Fordert der Sub hingegen explizit, was der Dom mit ihm machen soll, untergräbt das die Autorität des Doms und zerstört letztendlich die Szene. Spielen zu müssen, ohne Freiraum für Kreativität zu haben, tötet die Lust am Spiel.
Falls du dir jetzt nicht sicher bist, ob du dich richtig verhältst, denke mal darüber nach, was dir an BDSM Spaß macht, was du dir von deinem Dom erhoffst und wie ihr das gemeinsam umsetzen könnt. Und dann sprich mit ihm darüber. Wenn du deinem Dom nicht deine wildesten Fantasien mitteilst, wird es allenfalls ein lauwarmes Spiel; du kommst nicht auf deine Kosten und der Dom ist nur damit beschäftigt, sich zu überlegen, was er machen kann und darf.


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