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1.1 Was macht daran Spaß?

Viele Menschen denken sofort an Schmerzen, wenn von Sadomasochismus die Rede ist. Zwar spielen Schmerzen bei einigen (nicht allen) sadomasochistisch liebenden Menschen eine Rolle, aber aus einem derart reduzierten Blickwinkel wären meditierende Leute, die Spaß daran haben, auf dem Fußboden zu sitzen und komisch zu atmen.

Im Prinzip verhält es sich beim SM nicht anders als beim Kitzeln: ``Einer wird ausgekitzelt, was ja nicht nur angenehm ist, kann sich vielleicht nicht wirklich dagegen wehren, der Kitzelnde erfreut sich am Ergebnis, am Winden des Opfers, an den quietschenden Geräuschen. Auskitzeln lässt man sich nur von engen, guten Freunden. Das Opfer hat seinen Spaß, der Täter auch, irgendwo ist alles auch erregend, und wenn der Kitzelnde merkt, dass es zu viel wird, hört er auf. Besser kann man eine Züchtigung auch nicht beschreiben.''

Es geht bei BDSM also um Macht, Kontrolle und darum, einen anderen Menschen eine Zeit lang zu beherrschen. Und je nach den Vorlieben der Spielenden kann sich diese Machtausübung in Fesselungen bis zur Unbeweglichkeit, entsprechendem rollenkonformem Verhalten dem Spielpartner gegenüber (s.A. 3.4), dem Zufügen/Erdulden von Schmerzen, der Wahl besonderer, erotischer/restriktiver Kleidung oder auch dem Inbesitznehmen von Körperöffnungen des Bottoms durch Einführen von Gegenständen oder gar einem Einlauf zum Ausdruck kommen.

Manche Sadomasochisten sträuben sich gegen den Ausdruck 'Spiel', da SM eine todernste Angelegenheit ist - oder zumindest eine Lebensphilosophie, aber auf jeden Fall kein leichtfertiger Zeitvertreib. Aus meiner Sicht läuft ein Spiel nach strikten Spielregeln, auf die sich die freiwilligen Beteiligten zu Beginn einigen; hält sich einer nicht an diese Regeln, ist das Spiel vorbei. (Wer mag schon Spielverderber?) Ein Spiel dient der Freude aller Beteiligten und im Gegensatz zu einem Wettkampf gibt es weder Gewinner noch Verlierer.

Darüber hinaus bedarf SM mehr Kreativität, manchmal Vorbereitung und auf jeden Fall mehr Zeit als die schnelle Rein-Raus-Nummer in der Missionarsstellung. Was gibt es Schöneres, als langsam und lange erregt zu werden, ohne einen Einfluss darauf zu haben? Und die Erlaubnis, irgendwann 'kommen' zu dürfen, kann überwältigend sein.



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